Wenn dein Glas leer ist, kann niemand daraus trinken
- Monatsspiegel

- vor 1 Tag
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ein Gespräch, das ich kürzlich geführt habe und ich bereits aus meiner Zeit als Mentalcoach für Eltern kenne, beschäftigt mich immer wieder.
Es war ein Gespräch mit einer Mutter, die den Eindruck hatte, ihrem Kind die gleichen Entscheidungsrechte im Familienalltag einräumen zu müssen wie sich selbst. Einer Mutter, die sich schlecht dabei fühlte, Grenzen zu setzen und ihre eigenen Bedürfnisse zu priorisieren.
Ich bin ein großer Fan der bedürfnisorientierten Erziehung – die aus meiner Sicht häufig missverstanden wird – und möchte heute ein paar Gedanken dazu teilen. Vielleicht tragen sie zu etwas mehr Leichtigkeit im Familienalltag bei.
Dein Kind oder Teenager in seinen Bedürfnissen zu sehen, bedeutet nicht, dass sein Wille automatisch Vorrang hat. Es bedeutet vielmehr, seine Bedürfnisse wahrzunehmen, ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Verantwortung und Entscheidung, was im Familienalltag sinnvoll und angemessen ist, liegt jedoch bei dir als Elternteil.
Dein Kind hat den gleichen Wert wie du – jedoch nicht automatisch die gleiche Verantwortung oder gleichen Entscheidungsrechte.
Wenn du dir zum Beispiel ab 21 Uhr einen Raum im Wohnzimmer wünschst, der nur für dich und deinen Partner ist, dann ist es völlig in Ordnung – und sogar wichtig –, deinem Teenager liebevoll und klar mitzuteilen: „Jetzt ist unsere Zeit.“ Ohne Kochen deines Teenagers, ständiges Rein- und Rauslaufen oder hundert Fragen. Es braucht ein wertschätzendes und klares - "Stopp".
Vielleicht bist du nach einem langen Tag erschöpft. Deine Bedürfnisse sind Ruhe, Rückzug, Leichtigkeit oder Zeit mit deinem Partner. Dein Teenager möchte vielleicht Autonomie erleben, sich einbezogen fühlen, Spaß haben oder hat einfach Hunger.
Je nach Alter braucht dein Kind mehr oder weniger Unterstützung dabei, seine Bedürfnisse zu erfüllen – jedoch nicht auf Kosten deiner eigenen. Ist dein Glas dauerhaft leer, leidet irgendwann die ganze Familie. Im Flugzeug heißt es nicht ohne Grund: Setzen Sie zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske auf, bevor Sie anderen helfen.
Ich möchte dich einladen, immer wieder neu nach einer Balance zu suchen: einer Balance, in der du dich selbst wichtig nehmen darfst und gleichzeitig dein Gegenüber siehst und wertschätzt.
Vielleicht bedeutet das, vor 21 Uhr noch gemeinsam Karten zu spielen, einen kleinen Snackschrank im Kinderzimmer einzurichten oder ein Abendritual einzuführen in dem sich dein Teenager wichtig und verbunden fühlen kann. Und genauso darf es bedeuten zu sagen: „Ich liebe dich UND jetzt brauche ich Zeit für mich und meinen Partner.“
Kinder lernen nicht nur durch unsere Worte, sondern vor allem durch unser Vorbild. Wenn sie erleben, dass wir liebevoll Grenzen setzen, gut für uns selbst sorgen und dabei respektvoll mit anderen umgehen, schenken wir ihnen eine der wichtigsten Fähigkeiten fürs Leben.
Zum Schluss möchte ich dir noch drei Fragen mitgeben:
Welche Situation fühlt sich in deinem Alltag gerade unstimmig an?
Welches deiner Bedürfnisse ist dabei unerfüllt?
Und welches Bedürfnis könnte dein Gegenüber (Kind, Partner, Kollege) gerade haben?
Frag doch einmal ganz offen (je nach Alter des Gegenübers):
„Könnte es sein, dass du gerade … brauchst?“
Und teile anschließend auch dein eigenes Bedürfnis:
„Ich brauche gerade … Bist du bereit, dass wir gemeinsam eine Lösung finden?“

Einen wundervollen Tag wünscht,
Autorin: Jasmin vom Team Monatsspiegel




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