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Oktober - Die Brücke

vor 15 Stunden
3 Min. Lesezeit

Tiefbauten und ihre Folgen für die Natur und die Landwirtschaft in Zeiten der Dürre


Dürre wohin das Auge blickt!


Wenn dieser Artikel entsteht, ist weit und breit noch kein Regen in Sicht, der die Grundwasserlager wieder auffüllen könnte! Wir Städter haben vielleicht die Möglichkeit wahrgenommen, in kühleren, feuchteren Gebieten Urlaub zu machen, damit wir auf andere Gedanken kommen und uns erholen können. Den Landwirten in unserer Nachbarschaft war das nicht vergönnt. Der erste Heuaufwuchs erlitt massive Ertragsrückgänge. Die Folgeschnitte fielen durch die anschließenden heißen Monate fast vollständig aus. Die Weiden sind komplett braun und ausgedörrt. Die wertvollen Wintervorräte müssen bereits jetzt verfüttert werden und es steht die Frage im Raum, ob die Viehbestände frühzeitig reduziert werden müssen.


Für landwirtschaftliche Ökobetriebe hat das BW-Landesministerium den Katastrophenfall ausgerufen, jetzt kann konventionelles Futter nach Antrag zugekauft und gefüttert werden. Es gilt ja, das Vieh zu versorgen, gesund und am Leben zu halten! (s. SWR-Bericht 11.08.26) Aus dieser Not eine Tugend machen??? Das geht wohl kaum.


Was aber nun, wenn zu der Dürre infolge des Klimawandels noch Tiefbauten wie die Stützpfeiler der geplanten Brücke in den lokalen Wasserhaushalt eingreifen?

Normalerweise beginnt das oberflächennahe Grundwasser in der Rheinebene oft schon in wenigen Metern Tiefe (ca. 2–8 m unter der Geländeoberfläche). Werden Betonwände, Spundwände oder Bohrpfahlwände tief in den Boden getrieben (Spezialtiefbau), wirken diese wie unterirdische Staudämme im Kieskörper der Rheinebene.

Da das Grundwasser hier natürlicherweise von den Schwarzwaldabhängen in Richtung Rhein fließt, staut sich das Wasser auf der Zuströmseite der Bauwerke an. Auf der abgewandten Seite (im Strömungsschatten) sinkt der Grundwasserspiegel ab (Sunk-Effekt). Für die Landwirtschaft bedeutet dies, dass angrenzende Felder im Strömungsschatten noch schneller austrocknen.


Um Fundamente im Trockenen betonieren zu können, muss das Grundwasser in der Baugrube oft wochen- oder monatelang über Pumpen künstlich abgesenkt werden. Das abgepumpte Wasser wird meistens in die Kanalisation oder nahegelegene Flüsse (wie die Alb oder die Murg) abgeleitet, anstatt vor Ort zu versickern.

In einem ohnehin extremen Dürresommer vergrößert dieses großflächige Abpumpen den Trichtereffekt: Der Grundwasserspiegel sinkt im weiten Umkreis um die Baustelle zusätzlich ab, was den umliegenden Pflanzen und Bäumen im wahrsten Sinne das Wasser abgräbt.

Wenn eine Baustelle wieder zugeschüttet wird, verändern die schweren Maschinen durch Bodenverdichtung die Porenstruktur. Der kapillare Aufstieg – also die Fähigkeit des Bodens, Grundwasser wie ein Schwamm nach oben an die Pflanzenwurzeln zu transportieren – wird dauerhaft unterbrochen. (s. Stadt Karlsruhe, Gewässer und Stadtentwässerung in Karlsruhe).

Um diese negativen Folgen zu verhindern, könnten im Tiefbau spezielle Verfahren zum Einsatz kommen:

Düker-Bauwerke: Unterirdische Rohrleitungen, die das Grundwasser nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren unter dem Hindernis hindurchleiten, um den natürlichen Fluss aufrechtzuerhalten.

Unterwasserbeton: Die Baugrube wird nach unten hin abgedichtet, sodass nur das Wasser innerhalb der Grube abgepumpt werden muss, während das umgebende Grundwasser unberührt bleibt.

Die Frage bleibt, ob das in der Planung der DB InfraGO angekommen ist. Schließlich ist im September 2026 die DB InfraGO von den Organisationen Pro Bahn, Mofair und Die Güterbahnen als „äußerst ungenügend“ eingestuft worden. Das Herzstück der Kritik betrifft die armselige Koordination von Planung und Bauakteuren (poor construction coordination). (s. Reddit discussions on DB InfraGO).


Und auf diese Steine sollen wir bauen?


Dagmar Heidingsfelder-Rammer(in der Initiative zur Unterstützung des Biolandhofes Schleinkofer)

PS: Auf der Stadtseite steht noch immer, dass das Tiefbauamt sich weiterhin mit der Entwurfsplanung beschäftigt. Also noch kein Planfeststellungsverfahren!



Vielen Dank für diesen Beitrag


Ihr Monatsspiegel-Team

 
 
 

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