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Juni - Die Brücke

Sarah hat nur noch knapp 2 Wochen, dann hat sie es endlich geschafft, das Abi 2026! Seit Tagen büffelt sie für ihre letzte Prüfung. Ihr Profilfach ist Internationale Volks- und Betriebswirtschaftslehre. Die Eltern hatten sich gewundert, dass sie als junge Frau sich das ausgesucht hat, und hatten ihr abgeraten.

Nur ihr Onkel, ein überzeugter Europäer, hatte ihr den Rücken gestärkt und geholfen, eine Praktikumsstelle bei einer internationalen Spedition zu bekommen. In den vier Wochen in deren Hauptniederlassung hat sie viel über die Warenströme auf Straße, Schiene und Schiff durch Europa erfahren. Beeindruckt hatte sie die Idee einer Güterverkehrmagistrale über Land zwischen Genua am Mittelmeer und Rotterdam an der Nordsee und fasziniert war sie, als sie vom Gotthardbasistunnel erfuhr.

Alle Güter rollen durch eine kilometerlange Röhre, in jahrelanger bergmännischer Arbeit mit Vortrieb von beiden Alpenseiten passgenau erstellt. So faszinierend! Alles dafür, dass oberirdisch möglichst wenig Natur zerstört und möglichst wenig Lärmbelastung für Mensch und Tier anfällt. Was sie aber von Anfang an nicht verstand, dass die breite mehrspurige Trasse zwischen der Alpennordseite und dem Nordseehafen Rotterdam vorwiegend oberirdisch geplant wurde. Was hat man sich denn dabei gedacht?!, sagte sie sich immer wieder. Durch ihr Profilfach weiß sie inzwischen, dass die geplante Trasse, wenn sie denn etwa 2040 durchlaufend fertig gestellt sein soll, gerade mal eine Transportzeitersparnis von 9 Tagen im Verhältnis zur Verschiffung bringt. Natürlich bedeutet Zeit viel Geld, das ist ihr selbst als Anfängerin im Wirtschaften schon klar. Aber sie hat große Zweifel inzwischen entwickelt, ob die Gesamtidee so gut ist, wenn für die Menschen und die Natur an der Strecke durch die Eingriffe in die Landschaft und die Lärm- und Erschütterungsbelastung so viel Lebensqualität verloren geht. Auch hier in Rüppurr, eigentlich genau vor ihrer Nase! Muss man die Unversehrtheit der Natur und die Gesundheit der Menschen nicht auch genauso als Kostenfaktor einkalkulieren? Wie ist das volkswirtschaftlich zu bewerten? Diese Frage wird sie auf alle Fälle gleich morgen ihrem Fachdozenten stellen. Jetzt will sie aber ein bisschen den Kopf abschalten und endlich mal wieder ein paar Runden bei der SG Rüppurr Tischtennis spielen.

 

Dagmar Heidingsfelder-Rammer

(in der Initiative zur Unterstützung des Biolandhofes Schleinkofer)

 

PS: Das Planfeststellungsverfahren zur Brücke am Brunnenstückweg wird voraussichtlich ab dem frühen Herbst beginnen, wenn das Regierungspräsidium alle Unterlagen des Tiefbauamtes zur Brücke geprüft hat.


Vielen Dank für diesen Beitrag


Ihr Monatsspiegel-Team

 
 
 

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